Jahresbericht 2025: Festivalpräsenz 

Metalchurch am Summerside Festival

Die Metalchurch durfte am Summerside Festival als „Kirche im (Metal-)Dorf“ präsent sein. Viele Besuchende kannten die Metalchurch oder einzelne Personen daraus bereits von anderen Festivals oder Konzerten, für andere war es ganz neu zu hören, dass es eine Reformierte Kirche für die Metalszene gibt. Im Allgemeinen wurde der Metalchurch viel Wohlwollen entgegengebracht, was sich in Aussagen wie: „Wusste ich nicht, dass es so etwas gibt – cool“ „Ich bin in keiner Kirche, aber wenn – würde ich zu euch kommen“, oder „Ich kenne euch vom Greenfield – ihr leistet sehr wertvolle Arbeit“ zeigte. Oder Besuchende brachten Essen und Getränke für das Standpersonal vorbei.

Kritische Stimmen im Bezug auf unsere Präsenz haben wir seitens der Besuchenden keine wahrgenommen. Insgesamt waren für die Metalchurch am Summerside über die drei Tage verteilt, inkl. Auf- und Abbau 18 Personen im Einsatz, zwei davon angestellt (Sozialdiakonin Nadine Zurbrügg, Metalpfarrer Samuel Hug) die restlichen Personen waren freiwillig tätig. Die Metalchurch kam über die drei Festivaltage mit 477 Menschen am Stand in Kontakt bzw. ins Gespräch. Die zusätzlichen Begegnungen von Pfarrer und Sozialdiakonin im Infield wurden nicht erfasst. Der Animationsposten 20SecondsToMetal (Songquizz) war dabei ein guter Anknüpfungspunkt. Ebenfalls wurden wir mehrfach auf die mediale Präsenz im Vorfeld (Artikel im Grenchner Tagblatt und Radiobeitrag Radio 32) angesprochen, oder sogar deswegen gezielt aufgesucht. 

Unter diesen 477 Kontakten waren 71 Gespräche, welche von längerer Dauer, also ab 15min bis 2h waren, und somit auch deutlich seelsorgerische- oder zumindest vertiefte theologische Gesprächsinhalte hatten. Wir erlebten das Summerside Festival als sehr friedliches und gemütliches Festival mit sehr guter Stimmung. Wir sind sehr dankbar, als Metalchurch Kirche am Festival sein zu können. Wir sind dankbar für Tanyel, Michelle und ihr Team, die uns mit so offenen Armen empfangen haben. Wir sind selber Teil der Metalszene, unser Herz schlägt für Metalheads, mit ihnen zusammen am Festival Kirche zu leben ist wunderbar. Als Kirche haben wir Anteil am „vollen Leben“ der Besuchenden. Sie kommen zu uns zum Plaudern, zum Diskutieren, aus Neugier, oder um einen adäquaten Gesprächspartner zu finden, weil Alltagssorgen oder andere Lebensthemen nicht an den Zäunen des Festivals halt machen

The Chapel am Riverside Festival

Am diesjährigen Riverside Festival war die Metalchurch erstmals mit «The Chapel» vertreten. Die Zeltkapelle war nicht zuletzt durch das grosse Kreuz am Eingang bereits von Weitem zu sehen, und als Kirchenraum erkennbar. Im Inneren erwartete die Besuchenden ein metallisch eingerichteter Raum der Stille, welcher auch bei hohem Umgebungslärm zur Besinnung einlud. The Chapel stand ökumenisch allen offen, die einen Ort zur Sammlung und innerem zur-Ruhe-Kommen suchen. Es konnten Kerzen angezündet werden und es lag ein Buch für schriftliche Gebete, Grüsse und Zeichnungen auf.

 

Betreut wurde die Kapelle von jeweils zwei Person aus der Metalchurch in schwarzen Mönchsroben. Sie drängten sich niemandem auf, waren aber jederzeit bereit, Besuchenden zuzuhören, oder auf Wunsch mit- oder für die Menschen zu beten, oder einen individuellen Segen für Einzelpersonen, Paare oder Gruppen zu sprechen. Ausserdem waren der Metalpfarrer oder die Sozialkiakonin ebenfalls häufig am Stand.

Zahlen & Fakten

Über die drei Festivaltage verteilt registrierten wir in der Kapelle 309 Begegnungen mit total 534 Besuchenden. Nicht erfasst sind die unzähligen «Sich-Grüssen» und freundlichen Nicken beim Vorbeilaufen der Gäste. Die kurzen Gespräche vor der Kapelle drehten sich dabei mehrheitlich um die Fragen, «was ist das hier?» «Was macht ihr hier?» «Seid ihr wirklich Kirche?». Dass die Kapelle eine Wirkung hat, zeigte sich dadurch, dass Besuchende die Kapelle wie eine «Wegkapelle» betraten, sich bekreuzigten, oder ein stilles Gebet sprachen, und weiterzogen. Es ergaben sich über das gesamte Festival verteilt mehr als 50 Gespräche von längerer Dauer, also 15min bis 2h mit seelsorgerlichem und/oder theologischem Inhalt. Die Möglichkeit ins Buch zu schreiben, wurde rege genutzt, nicht selten in Kombination mit dem Anzünden einer Kerze, zum Beispiel als Zeichen für einen verstorbenen Freund und Festivalkollegen. Das Metalchurch-Team umfasste dreizehn Personen, davon zwei Angestellte (Metalpfarrer und Diakonin) sechs freiwillige Seelsorgende und fünf Personen, ebenfalls freiwillig für Logistik, Auf- & Abbau.

O-Ton-Perlen Riverside:

„Cooli Sach – gseht super us!“

„Darf i als Katholik au es Cherzli cho azünde?“

„Das si richtig chilligi Lüt, faus mol mit Chiuche öppis wotsch ztüe ha“

„Merci händ ir mi grad chli i Rueh glah“

„Hey – ihr sit doch die vom Greenfield – cooli Sach!“

Fazit / Ausblick

Als dreizehnköpfiges Team durften wir am Riverside Festival in Aarburg gemeinsam mit Besuchenden und Staff Kirche leben. Es war für uns alle eine sehr positive, eindrückliche, und natürlich auch anstrengende Erfahrung. Unsere Chapel wurde weitgehend positiv auf- und wahrgenommen, was sich nicht zuletzt darin zeigte, dass viele uns beim Betreten oder Verlassen des Areals freundlich grüssten, uns einen schönen Tag- oder eine gute Nacht wünschten. Wir haben erfahren, wie wichtig ein «Ort der Stille» auch wenn er gar nicht so still ist, inmitten eines Festivals ist, und wie hilfreich im entscheidenden Moment ein professionelles Gespräch oder ein Gebet sein kann. Die Metalchurch wäre im kommenden Jahr sehr gerne wieder mit «The Chapel» auf dem Platz, gerne auch wieder an derselben Stelle mit derselben grossen Parzelle. Wir danken Rock Special Productions AG für die Möglichkeit Festivalkirche sein zu können, und freuen uns darüber, dass der Mehrwert der Kirche am Festival erkannt wurde.

Metalchurch am Greenfield Festival

Seit 2018 ist die Metalchurch am Greenfield präsent, in den ersten beiden Jahren nur mit der AnsprechBar, einem Seelsorgeangebot, welches gemäss dem eigenen Slogan ein offenes Ohr bietet, egal ob jemand «In Stimmung oder verstimmt» ist. Dies umfasst also die ganze breite an Gesprächsinhalten, vom gemütlichen Plausch über Musik oder Bands, bis hin zu psychosozialen Krisenintervention.  Seit 2022 wird das Angebot der Metalchurch mit «the Chapel» einer Festivalkapelle komplettiert.  In dieser fand auch 2025 einmal pro Nacht eine Andacht (Mitternachts-Metal-Meditation) statt. Während dem in anderen Jahren in the Chapel schon Hochzeiten gefeiert werden konnten, waren die Kapellen Gastgeber in diesem Jahr gefordert, eine Trauerfeier auszurichten, für ein, in der Zeit des Festivals verstorbenes Familienmitglied.

 

Während dem die Ansprechbar  von Donnerstag 10.00 – Sonntag 08.00 rund um die Uhr geöffnet ist, schliesst the Chapel jeweils ca. um 03.00 – 10.00.  Das Metalchurch Greenfield-Team umfasst ingesammt 36 Personen (24 Seelsorgende, inkl Leitung; 7 Kapellengastgebende (inkl. Leitung) 5 Personen für Logistik und Administration.

In diesem Jahr haben wir bei der Auswertung langjährigen Vergleich gemacht. Es hat dabei gezeigt, dass das Angebot der AnsprechBar und the Chapel gut bekannt und konstant von ca. 1.7% der Festivalbesuchenden genutzt wird.

Langjähriger Vergleich

Anekdoten & Besucher-Rückmeldungen

Wie die AnsprechBar wie auch The Chapel von den Besuchenden wahrgenommen wird, was sie am diesem Angebot schätzen, zeigen die gesammelten Feedbacks. Hier ein Auszug davon:

Rückmeldungen & Anekdoten AnsprechBar

  • «Das ist super dass ihr da seid. Ich brauche euch zwar nicht, aber viel besser jemand kommt zu euch, als das er sich etwas antut.»
  • Jemand bringt Tomaten und sagt: „Merci euch, dass ihr zu uns schaut.“
  • Zwei kommen vorbei und bedanken sich für unsere Seelsorgearbeit (der eine hat Seelsorge in anderem Kontext schon genutzt) und hinterliessen eine Bargeldspende
  • Jemand kommt am nächsten Tag vorbei und äussert seine Dankbarkeit für die Zeit gestern und unseren Dienst
  • Weil die Person uns vom letzten Jahr kennt, kommt sie vorbei um ein Foto mit uns zu machen.
  • «Du bisch en Ängel!»
  • Eigentlich wollten sie nur kurz absitzen und plötzlich spielten wir das „wer von euch“-Hochzeitsspiel. 😀
  • „Mer lönds Geld für en Kafi lieber bi eu ligge, wo alli au no so fründlich sind, als vorne a de Ständ. Do wirds au na für en guete Zweck bruucht. Und es sind au bi eu immer so chillti Mensche, do chömed mer gern wieder.“
  • Als der Seelsorger seinen obligaten Zmorgeburger bei einem Essensstand kauft, wird er als Seelsorger erkannt und angesprochen. Die Köchin erzählt was sie aktuell belastet.
  • “ vo öich Chiuche wotti ja eigentlich nüt wüsse, aber gliich bini umä da.“
  • «Hat hier jemand Zeit für einen Schwatz mit mir?»
  • «Findi huere guet das iher das mached»
  • Jemand findet mega toll was wir machen. Fragt nach Spendemöglichkeit.
  • «Bei denen kannst du nachts um 5 vorbeikommen, wenn du’s bei allen Frauen verkackt hast.»
  • Die Person bedankte sich dafür, dass die Morgenschicht der AnsprechBar 2024 ihr einen sicheren Ort zum zur Ruhe kommen bot, mit Ruheplatz und Wolldecke, ohne sie zum Reden zu drängen. Das stiftete Vertrauen, dass sie sich heute über eine Stunde lang anvertrauen konnte und gute Dinge für sich selbst aus dem Gespräch mitnahm.
  • Person sass lange bei uns, ohne grossen Gesprächsstoff. Alleine am Festival und schien einfach die Ruhe und unsere Präsenz zu geniessen.
  • Kommen seit 2022 für Kaffee zum Tagesabschluss zu uns.

Aussagen von Festivalbesuchenden, wenn sie mit der Wasserspritze erfrischt wurden:

  • «Hätte nie gedacht, dass ich das sagen würde, aber danke dass du mich bespritzt hast!»
  • «das ist Seelsorge!» (mehrfach)
  • «ihr seid Helden» (mehrfach)
  • «direkt vom Himmel» «bist du ein Engel?»
  • «wenn es Weihwasser ist, brennt’s»
  • «Ist das Weihwasser?» (Mehrfach)
  • «ist das roundup/Insektizid/Alkohol»?
  • «du bist ein Gott»
  • «darf ich dich mitnehmen?» (Mehrfach)
  • «denk auch an dich selbst!»
  • «Ah! Jetzt glaube ich an Gott!» Kommt zurück «Habe erst jetzt begriffen, dass du von der Festivalseelsorge bist»
  • «das ist richtige/wahre/sinnvolle Seelsorge» (mehrfach)
  • «Werkzeugmissbrauch, aber cool»
  • «du bisch ä Heldin, du bisch ä Sägä, das isch wahri Seelsorg»
  • «das isch wahri Seelsorg, du machsch, dr wichtigst Job. Du bisch ä Sägä, ds isch ds beste am hüttige Tag.»

Rückmeldungen & Anekdoten The Chapel

  • Jemand möchte ein Foto machen mit dem Metalpfarrer und dem Kapellengastgeber in der Mönchskutte
  • „Ich wuchs in der «Läderachsekte» auf, deshalb ist Kirche schwierig für mich. Aber dass ihr hier seid ist so gut, so wertvoll, besonders Abends. Danke.»
  • «Als ihr das erste mal da wart lachte ich noch über euch und fragte mich, was macht die Kirche am Greenfield. Aber jetzt weiss ich es. Danke für euren Einsatz und weiter so!»
  • «Danke, dass ihr als Kirche hier seid.
  • «Kompliment an das was ihr macht. Gute Sache!»
  • Vater zu seinen 2 Kindern: „Nein, geht nicht hinein, wir sind Heiden.“ Lächelte uns dabei an.
  • Ein Paar kommt vorbei das sich trauen lassen möchte, da sie sich letztes Jahr am Greenfield verlobt haben. Sie wollen sich nächstes Jahr am Greenfield das JA Wort geben.
  • «Freunde, ich finde schön dass wir hier „beichten“ waren, wir haben so vielleicht ein System durchbrochen.»
  • Die Person lief zuerst vorbei und ich lächelte sie freundlich an. Er war vorbei und drehte plötzlich um und meinte:“Dies ist die angenehmste Kirche die ich kenne. Ihr seid nicht aufdringlich!“
  • «Mega cool was ihr hier macht!»
  • «Ich kann mit Kirche eigentlich nichts anfangen, aber was ihr hier macht und dass ihr hier seid ist super!»
  • «Ich arbeite bei der Sanität und bin beeindruckt wie gut ihr das macht, da kann ich mir noch eine Scheibe abschneiden. Danke seid ihr hier.»